August 31, 2007 2:11 AM

Liebe Kinder gebt fein acht

Es gibt einige gute Gründe, warum ihr euch nicht bei Plattformen, die verlangen, daß man dort seinen Klarnamen angibt, wie SchülerVZ, anmelden solltet. Obwohl man sich derzeit nur mit Hilfe einer Einladung dort Zugang verschaffen kann, bedeutet das noch längst nicht, daß dort Schüler und Schülerinnen unter sich bleiben.
Es müssen nicht nur Pederasten und andere derart widerliche Gestalten sein, die euch online nachstellen. Auch Lehrerinnen und Lehrer könnten auf die Idee kommen, ein berechtigtes Interesse daran zu haben, was ihr in eurer Freizeit im www so treibt - Auf den ersten Blick recht harmlos... Lehrerinnen wie meine ehemalige Kunst-Lehrerin, Frau S. Nicht nur, weil Frau S. mir den einzigen Unterkurs während meiner Schulzeit beschert hat (4 Punkte), glaube ich, daß sie eine etwas merkwürdige Auffassung von Kunst-Unterricht hat: In den wenigen Stunden, in denen ich in ihrem Unterricht anwesend war, mußten wir beispielsweise Werbe-Plakate für witzlose Sport-"Events" entwerfen oder uns eine Interpretation von der Emanzipation wenig förderlichen Zeitungs-Annoncen für Luxus-Uhren und -Mode aus den Fingern saugen.
Ähnlich begeistert von der Qualität Frau S.' Unterrichts waren wohl auch die über 100 Mitglieder des SchülerVZ, die innerhalb kürzester Zeit der Gruppe "Schmeißt Lehrerin S. von Schule X" beitraten. Es kam wie es kommen mußte und Frau S. erlangte, alarmiert durch Kollegen, die ihren Schützlingen wohl im Computerraum beim browsen über die Schulter sahen, Kenntnis von besagter Gruppe. Ich weiß leider nicht, welche Aussagen genau von den Diskutaten innerhalb der Gruppe gemacht wurden, aber Frau S. war jedenfalls alles andere als begeistert.
Bevor ich mit dieser kleinen Anekdote fortfahre, sollte ich vielleicht erwähnen, daß Frau S. (nicht nur - Stichwort: Unterrichts-Ausfall) in ihrer Freizeit als Politikerin tätig ist. Möglicherweise ist sie deshalb überdurchschnittlich stark auf ihren Ruf bedacht und hat in einer solch abnormen Art und Weise auf den Vorfall reagiert. Vielleicht hat sie auch nur eine besonders verkrampfte Einstellung zu Meinungsäußerungen im Internet. Frau S. jedenfalls erwirkte, daß die SchülerVZ-Gruppe entfernt wurde. Allerdings nicht, indem sie die Gelegenheit ergriffen hätte, mit der Initiatorin der Gruppe persönlich ein ernstes Wort zu wechseln und die Sache zu diskutieren, was, während ich die Schule besuchte, bei vergleichbaren Vorfällen Gang und Gäbe war und einfach durchführbar gewesen wäre. Frau S. wußte sich bedauerlicherweise nicht anders zu helfen, als eine Strafanzeige gegen die Grüderin der Gruppe zu stellen.
Bedauerlich für die Schülerin, die eine nicht unerhebliche Summe ihres Vermögens darin "investieren" mußte, sich anwaltlichen Beistand zu holen. Eben so bedauerlich ist es daß sich Richter und Staatsanwälte mit solchen kleingeistigen Pretiosen herum schlagen müssen, anstatt sich mit Vergehen zu befassen, die eines Verfahrens vor Gericht würdig sind. Es könnte allerdings auch sein, daß ich die ganze Aktion mißverstanden habe und es sich eigentlich um eine pädagogische Maßnahme handelt, um den SchülerInnen kreatives Schreiben und Gruppenarbeit dadurch, daß man den Beteiligten angeordnet hat, ein gemeinsames Entschuldigungs-Schreiben zu verfassen, näher zu bringen.

Author: nille | Permalink | Category: thoughts | Comments: (0)

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