November 15, 2007 6:13 AM

Under the radar

Warum hat mich niemand früher auf Gumboy: Crazy Adventures aufmerksam gemacht? Warum stand darüber nichts in meiner Lieblings-Spiele-Zeitschrift und, wenn doch, wieso nicht unübersehbar auf der Titelseite? Weshalb haben all meine Freunde und Bekannten das Spiel nicht sofort nach seinem Erscheinen im letzten Jahr (spätestens seitdem es die "Game of the year" und "Game of the month"-Awards von Gametunnel und Edge eingesackt hat) gekauft und mich darüber in Kenntnis gesetzt, und auf welchen Paragraphen kann ich mich berufen, um sie deswegen zu verklagen? Weshalb hängt Spielen wie diesem immer noch das vollkommen unzeitgemäße Indie-Label an, damit auch ja kein Mainstream-Medium auf die Idee kommen kann, darüber zu berichten? Warum ist Gumboy nicht schon längst für die Wii mit ihrem Software-Lineup, das bisher noch magerer als zartrosa Roastbeef war, erschienen, obwohl es gerade zu prädestiniert dazu ist, mit der Wiimote gespielt zu werden, oder spart Nintendo sich das etwa für Wiiware auf? Was sollen diese ganzen bescheuerten rhetorischen Fragen und die Lobhudelei??

Screenshot - Gumboy

Ganz einfach - Gumboy ist das bisher coolste Jump'n'Roll-Game seit ich im Kindergarten Purzelbäume schlug!
Zugegeben, mir fallen auch nicht besonders viele Titel ein, die man zum Vergleich heranziehen könnte, höchstens Gish und LocoRoco, mit denen Gumboy jedoch definitiv in einer Liga spielt (außer im Preis - der ist mit 5 bis 10 € für den Download auch für Leidtragende der sogenannten Arbeitsmarktreform, ergo: mich, erschwinglich). Wie auch bei den erwähnten konkurrierenden Spielen, steuert man in Gumboy, einen sympathischen, weil freundlich lächelnden, und weitestgehend mitteilungsbedürfnislosen, polymorphen Ball.
Durch 40 verschiedene Level in 6 unterschiedlichen Lokationen, allein mit drei der Pfeil-Tasten (links, rechts, springen) und Ctrl (um noch schwungvoller zu rollen) oder wahlweise einem Gamepad. Um zum Ende zu kommen, gilt es, mal diese, mal jene Aufgabe zu bewältigen: Man findet leicht heraus, ob man eine bestimmte Punktzahl erreichen muß, indem man genügend Sterne einsammelt, Hindernisse, die einem das Fortkommen erschweren, überwinden oder einfache Rätsel lösen muß, zum Beispiel mit Hilfe mehrerer Items die funkelnden Sporen eines Waldpilzes erstens frei zu geben und zweitens zu einem niedlichen Gnom zu transportieren.
Langweilig wird einem so schnell nicht, erwarten einen doch Power-Ups, die seinen Ball extra leicht, besonders schwer, klebrig, stern- oder quadratförmig werden lassen, teleportieren oder Bonus-Punkte bescheren.
Und ein wenig achtgeben muß man auf seinen Gumboy auch: Stößt man, während man in einen Stern verwandelt (wodurch man besonders weit und hoch fliegen kann), an eines der schwarzen stacheligen Monster, die einem allerdings bestimmt nichts böses wollen :) , sondern, nur etwas phlegmatisch, gern an schwer passierbaren Stellen aufhalten, zerplatzt man wie eine Seifenblase. Aber keine Angst vor Reload-Orgien: Vor schwierigen Hindernissen erwarten einen automatische Speicherpunkte, man muß also nicht das komplette Level von vorn beginnen.

Screenshot - Gumboy

Das Beste zum Schluß: Gumboy sieht wirklich hübsch aus, sogar auf meinem Notebook, das dem Tod immer wieder von der Schippe springt und mittlerweile den Titel "historisch" redlich verdient hat.
Die Schönheit des Spiels verleiht seiner nicht durch orgastische Pixel-Shader-Effekte Ausdruck, sondern durch herzallerliebst gestaltete Hintergründe, die auch als Illustrationen bekannter Kinderbücher wie "Tomte Tummetott" durchgehen könnten. Denn auch Gumboy spielt in verzauberten verträumten Wäldern und Höhlen, die von Trollen, Geistern und anderen märchenhaften Gestalten bewohnt sind.
So lädt Gumboy dann auch von Zeit zu Zeit eher zum Verweilen und Erkunden der phantasievoll gezeichneten Level ein, anstatt dem nächsten Highscore oder einer neuen Bestzeit hinterher zu jagen.

Screenshot - Gumboy

Wer nun immer noch nicht von meinem ungebremsten Enthusiasmus hat mitreißen lassen, sollte sich ganz schnell eines Besseren belehren und eine der drei Demo-Verionen herunterladen, installieren und spielen!
In Zukunft kann dann Gumboy Tournament den Beweis antreten, daß man mit bunten Bällen auch Capture-the-flag und andere Multiplayer-Spiele bestreiten kann. ;)

Author: nille | Permalink | Category: games | Comments: (0)

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