February 16, 2008 10:28 PM

Ride with me!

Meine Lieblingsfunktion der XBox 360 ist das Vorhandensein der Möglichkeit, den Soundtrack eines Spiels gegen Musik eines an die Konsole angeschlossenen iPods auszutauschen.
Anstatt zu den Klängen synthetischer Streicher-Armeen kann man Rote und organgene Dreiecke im Rhythmus eines Techno-Beats erschießen. Ich stelle jetzt einfach mal so die steile These auf, daß ein Spiel erst mit einem ordentlichen Soundtrack die Voraussetzungen erfüllt, um irgendwann zu einem zeitlosen Klassiker zu werden.
Deshalb werden von Bands und Orchestern auch immer nur die Hymnen aus Super-Mario-Land und Tetris und nicht NFS Undergrounds Ba-da-ram-dum-dum-da-da-da-da-dum nachgespielt.
Deswegen erscheinen, Schnipp, in jeder Sekunde, Schnipp, drei neue SingStar- und Guitar-Hero-Erweiterungen, Schnipp. In zehn Jahren möchte bestimmt niemand mehr ein Spiel spielen, zu dem bezahnspangte Gangsterapper, Numetal- oder (Scr-)Emo-Idioten die Musik beigesteuert haben. Dann lacht man leider wahrscheinlich auch über Elektro-Mucke, die absichtlich so klingt, als ob vor dem Studio gerade ein Baum gefällt würde oder jemand mit einem großen Dauermagneten an den Kabeln und Geräten vorbei ginge. Im Spiel Audiosurf dagegen dreht sich alles um die Lieblingslieder der Spielerinnen und Spieler.
Man wählt einen Titel von der heimischen Festplatte aus, aus dem dann die Strecke generiert wird, auf der man wie auf der perfekten Welle zu Hip-Hop-, Polka-, Jazz-, Glamrock- oder Schlumpftechnoklängen dem im doppelten Sinne Track-Ende entgegen surft. Wählt man einen ruhigeren Titel wie Running up that Hill, verläuft die Strecke eher aufwärts, bei Liedern wie Peaches' Downtown geht es, richtig, tendenziell nach unten.
Auf dem Weg warten auf drei Spuren verteilt verschiedenfarbige Klötze darauf, eingesammelt zu werden. Sie repräsentieren die unterschiedlichen Stimmen oder Instrumente des Liedes und sorgen dafür, daß man mehr (wärmere Farben) oder weniger (kältere Töne) Punkte gutgeschrieben bekommt, wenn man es schafft, eine Gruppe von drei oder mehr Steinen auf dem "Spielfeld" zu vereinen. Nachdem man die Ziellinie überquert hat, erhält man unter Umständen noch einen Bonus, falls man unterwegs Gruppen aus 11 oder gar 21 gleichfarbigen Steinen bilden konnte, man nicht all zu viele Blöcke verpaßt hat oder mit einem leeren Brett ins Ziel kommt. Falls man kein Problem damit hat, einem Unternehmen auf der anderen Seite des Atlantik seine persönlichen Daten anzuvertrauen, wird der Punktestand in eine globale Highscore-Liste eingetragen und ist dort für jederman sicht- und angreifbar. Den Reiz von Audiosurf macht unter anderem eben diese Jagd auf die perfekte Runde und die größtmögliche Punktzahl aus, besonders, wenn man eines seiner Lieblingslieder hört, bei dem man weiß wann der Gesang oder das Gitarrensolo einsetzt und also auch erahnen kann, welchen Verlauf die Strecke nehmen wird. Man muß eben einfach den Highscore "seines" Liedes verteidigen.
Diese Art Spiel-Ziel gab es auch schon läger nicht mehr, erst durch den Boom der Onlinedienste wird die highscorejagd anscheinend wieder etwas attraktiver. Fans von Hardtrance, Drum&Base, Gabba oder anderen Musikrichtungen, denen Personen mit schwachem Herzen aus dem Weg gehen sollten, haben es schon etwas schwieriger mit dem Spiel. Sie können entweder im leichteren Anfäger-Modus oder mit einem Mono-Fahrzeug spielen, mit dem man nur nur einen Block-Typ sammeln muß. Wer noch nicht von der Wunderbarheit von Audiosurf überzeugt ist (oder nicht recht verstanden hat, worum es geht), kann sich die ganze Sache ja noch einmal in bewegten Bildern ansehen:

Author: nille | Permalink | Category: games | Comments: (0)

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